Gruppe junger Menschen leistet soziale Arbeit im Park

Freiwilliges Soziales Jahr – das FSJ als Orientierungsphase

Ein Freiwilliges Soziales Jahr kann nach der Schule neue Perspektiven eröffnen oder dir dabei helfen, als Mensch zu wachsen. Was zeichnet das FSJ aus? Wer kann es machen? Und wie findet man eine passende Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr? Das und mehr erfährst du hier. 

Was ist ein Freiwilliges Soziales Jahr?

Beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) handelt es sich um ein freiwilliges gesellschaftliches Engagement, dem sich junge Menschen für eine gewisse Zeit widmen. Oft schließt ein FSJ direkt an die Schule an: Schulabgänger engagieren sich dann zumeist ein Jahr lang, zum Beispiel in einem kulturellen oder sozialen Bereich. Anschließend studieren sie oder machen eine Ausbildung.

Ähnliche Modelle sind das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und der Bundesfreiwilligendienst (BFD). Das Freiwillige Ökologische Jahr ist im Grundprinzip mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr identisch, lediglich der Einsatzbereich unterscheidet sich. Bei dieser Variante geht es, wie der Name schon sagt, speziell um ökologische Tätigkeitsfelder, zum Beispiel Umwelt- oder Tierschutz.

Große Ähnlichkeiten gibt es auch zwischen FSJ und Bundesfreiwilligendienst. Der wichtigste Unterschied: Beim BFD gibt es keine Altersgrenze. Das Angebot richtet sich an Menschen in jedem Alter und nicht, wie beim Freiwilligen Sozialen Jahr, an jüngere Personen.

Üblicherweise erstreckt sich ein Freiwilliges Soziales Jahr über zwölf Monate. Es sind aber auch kürzere oder längere Einsätze möglich. So könnte ein FSJ auch nur sechs Monate dauern oder sich über 18 Monate erstrecken.

Freiwilliges Soziales Jahr: Stellen und Einsatzgebiete

Wer ein Freiwilliges Soziales Jahr machen möchte, hat vielfältige Möglichkeiten. Du kannst als FSJler in sozialen Einrichtungen tätig sein oder dich für den Naturschutz starkmachen. Du kannst dich auch in kulturellen Betrieben engagieren oder in einem Sportverein mithelfen.

Diese beispielhaften Einsatzstellen können sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr eignen:

  • Schule
  • Kindergarten
  • Krankenhaus
  • Altenheim
  • Einrichtung für Behinderte
  • Obdachlosenhilfe
  • Jugendzentrum
  • Museum
  • Bibliothek
  • Asylbewerberheim
  • Sportcamp
  • Tierschutzorganisation
  • Umweltschutzorganisation

Voraussetzungen für ein FSJ

Wer kann ein FSJ machen? Grundsätzlich steht diese Möglichkeit jungen Menschen offen. Es gibt ein Mindestalter von 16 Jahren und eine Altersgrenze von 27 Jahren. Wenn du dich mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr gemeinnützig engagieren möchtest, brauchst du keinen besonderen Schulabschluss. Im Zweifel steht diese Möglichkeit auch Schulabbrechern zur Verfügung. Du musst auch weder die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen noch einen festen Wohnsitz in Deutschland haben.

Was du allerdings mitbringen solltest, ist die persönliche Eignung für die angestrebte FSJ-Stelle. Das kann auch bedeuten, dass du für den jeweiligen Einsatz fit und gesund genug bist. Bei bestimmten Tätigkeiten kann eine ärztliche Bescheinigung über deine Eignung verlangt werden. Ansonsten hilft es, wenn du die „richtige“ Persönlichkeit mitbringst. Nützliche Eigenschaften für ein FSJ sind unter anderem Offenheit, Einsatzbereitschaft und Flexibilität.

Welche Vorteile ein FSJ bieten kann

Egal, ob FSJ im Kindergarten oder im Sportverein: Ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, kann verschiedene Vorteile mit sich bringen. Viele Schulabgänger fühlen sich noch nicht bereit, von der Schule direkt ins Berufsleben einzusteigen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr verschafft ihnen mehr Zeit. In dieser Zeit können sie sich intensiv Gedanken darüber machen, welche berufliche Richtung sie einschlagen möchten.

Dabei kann das FSJ unmittelbar helfen, wenn es in einem Bereich gemacht wird, der eine berufliche Option ist. FSJler tauchen in den Berufsalltag ein und können deshalb besser einschätzen, ob ein Beruf sich wirklich für sie eignen könnte. Selbst wenn das Einsatzgebiet nichts mit den Berufswünschen zu tun hat: Es ist oft sehr wertvoll, noch einige Monate länger über das richtige Studienfach oder die richtige Ausbildung nachdenken zu können. Dadurch wird es wahrscheinlicher, dass die Entscheidung langfristig die richtige ist.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist außerdem eine Möglichkeit, sich sozial zu engagieren und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das kann sehr bereichernd sein und neue Perspektiven eröffnen.

Die Arbeit als FSJler trägt nicht zuletzt zur persönlichen Reife und Entwicklung bei. In einem Freiwilligen Sozialen Jahr lernen junge Menschen wichtige Kompetenzen, die auch im Job gefragt sind. Zugleich stellt das FSJ eine erste berufliche Erfahrung dar, die den Lebenslauf aufwerten kann. Dadurch sind die Chancen bei Bewerbungen in vielen Fällen besser. 

Rahmenbedingungen und rechtliche Regelungen beim FSJ

Was verdient man im FSJ? Wie sieht es mit der Sozialversicherung aus? Und besteht ein Urlaubsanspruch? Hier findest du wichtige Informationen zu den Rahmenbedingungen, in dem ein Freiwilliges Soziales Jahr abläuft.

Die Vergütung im FSJ

Das große Geld verdienen FSJler nicht, aber sie haben Anspruch auf eine Vergütung in Form eines Taschengelds. Wie hoch dieses Taschengeld ausfällt, entscheiden in letzter Konsequenz die Einsatzstellen, die es zahlen. Die Höchstgrenze liegt derzeit bei 453 Euro im Monat, wobei die Vergütung auch niedriger sein kann. Praktisch kommt es auch auf das Einsatzgebiet an: So wird zum Beispiel bei einem FSJ im Kindergarten oder Krankenhaus häufig etwas mehr gezahlt als zum Beispiel bei einem FSJ im kulturellen Bereich. Eine Erhöhung des Taschengelds im FSJ auf bis zu 604 Euro im Monat ist geplant.

Wird eine Unterkunft gestellt?

Wohnen kann teuer sein, zumindest außerhalb des Elternhauses. Manche Einsatzstellen bieten ihren FSJlern eine kostenlose Unterkunft an. Ist das nicht der Fall, steht FSJlern ein finanzieller Ersatz dafür zu, was neben der Unterkunft auch die Verpflegung oder Kleidung abdecken kann. Der Geldersatz kann bei mehreren Hundert Euro im Monat liegen.

Was ist mit der Versicherung im FSJ?

Während eines Freiwilligen Sozialen Jahres sind junge Menschen abgesichert: Es besteht wie bei Arbeitnehmern eine Versicherung in der gesetzlichen Sozialversicherung. Das betrifft neben der Kranken- und Pflegeversicherung auch die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Auch eine Unfallversicherung besteht im FSJ. Die Einsatzstellen übernehmen die Beiträge zur Sozialversicherung.

Der Urlaubsanspruch im Freiwilligen Sozialen Jahr

Wie Arbeitnehmer haben auch Freiwilligendienstleistende Anspruch auf Urlaub. Bezogen auf ein Jahr müssen die Einsatzstellen den Freiwilligen mindestens 20 Tage Urlaub gewähren (bei einer Fünf-Tage-Woche). Dauert das Freiwillige Soziale Jahr kein ganzes Jahr, ergibt sich ein anteiliger Urlaubsanspruch – pro Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubs.  

Sind die Einkünfte im FSJ steuerpflichtig?

Für das Taschengeld, das bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr gezahlt wird, fallen keine Steuern an – die Einkünfte sind steuerfrei.

Wie sind die Arbeitszeiten bei einem FSJ?

Ein FSJ findet üblicherweise in Vollzeit statt, was je nach Einsatzstelle 40, 39 oder auch 38,5 Wochenstunden bedeuten kann. Pro Tag dürfen Freiwillige nicht mehr als acht Stunden arbeiten, pro Woche höchstens 40 Stunden. In Ausnahmefällen sind bis zu achteinhalb Stunden pro Tag erlaubt, die zusätzliche Zeit muss allerdings ausgeglichen werden.

Der Alltag im Freiwilligen Sozialen Jahr

Während eines Freiwilligen Sozialen Jahres helfen junge Menschen tatkräftig in ihrer Einsatzstelle mit. Ihre Aufgaben hängen davon ab, in welchem Bereich sie tätig sind. Wer ein FSJ in einem Kindergarten macht, spielt etwa mit den Kindern, organisiert die Abläufe oder unterstützt Erzieher bei der Dokumentation. Bei einem FSJ im Krankenhaus kontrollierst du als FSJler zum Beispiel Vitalwerte, füllst Vorräte auf oder verteilst Essen.

Die Aufgaben im FSJ erweitern sich meist im Laufe der Zeit: Je besser sich die Freiwilligen auskennen und je erfahrener sie sind, desto mehr Tätigkeiten können sie eigenständig übernehmen.

FSJler werden durch die Einsatzstelle pädagogisch betreut. Dazu gehört nicht nur eine intensive persönliche Betreuung. Auch die Teilnahme an Seminaren und Fortbildungen zur fachlichen und persönlichen Entwicklung ist vorgesehen. Angeboten werden müssen pro Jahr mindestens 25 Seminartage.

Die Arbeitszeiten in einem Freiwilligen Sozialen Jahr hängen von der Einrichtung und der Tätigkeit ab. In der Regel beginnt der Arbeitstag morgens früh und endet am Nachmittag. Je nach Einsatzgebiet kann es erforderlich sein, Schichtdienste zu leisten, etwa in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Thematisch sind diese Seminare vielfältig. Ein wichtiger Bestandteil ist die Reflexion der Erfahrungen, die man im Freiwilligen Sozialen Jahr macht. Dabei können auch mögliche Probleme zur Sprache gebracht und gemeinsam Lösungen gesucht werden. Durch Übungen werden Soft Skills wie Kommunikationsstärke und Konfliktlösungsfähigkeit gefördert. Je nach Einsatzbereich geht es außerdem um Themen, die fachlich relevant sind. In manchen Seminaren werden zudem übergeordnete gesellschaftliche Thematiken wie Menschenrechte oder soziale Gerechtigkeit behandelt.

Tipps für eine erfolgreiche FSJ-Bewerbung

Es gibt viele FSJ-Stellen, die sich für junge Menschen eignen können. Wenn du dich für ein Freiwilliges Soziales Jahr bewerben möchtest, solltest du einige Dinge beachten.

Das betrifft zum Beispiel die Unterlagen: Eine Bewerbung für ein Freiwilliges Soziales Jahr enthält mindestens einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und Zeugnisse. Das Motivationsschreiben ersetzt das in Bewerbungen ansonsten übliche Anschreiben und ist ein zentraler Bestandteil der FSJ-Bewerbung. In diesem Schreiben machst du deutlich, was dich an der betreffenden FSJ-Stelle reizt. Lege dar, warum du in diesem Bereich mitarbeiten möchtest, welche Ziele du hast und was du dir von deinem Freiwilligen Sozialen Jahr erhoffst.

Zu der Bewerbung für ein Freiwilliges Soziales Jahr gehört auch ein Lebenslauf in der üblichen tabellarischen Form. Darin gehst du auf deinen Bildungsweg, mögliche Praktika oder Nebenjobs und besondere Kompetenzen und Fähigkeiten wie Sprach- und EDV-Kenntnisse ein. Ein Bewerbungsfoto kann nützlich sein , ist aber nicht zwingend .

Hänge dein letztes Zeugnis aus der Schule an. Falls du Praktika gemacht hast, können die Bescheinigungen oder Praktikumszeugnisse von Interesse für die Verantwortlichen in der Einsatzstelle sein. Möglicherweise hast du auch Empfehlungsschreiben vorzuweisen – sie dürfen in deiner FSJ-Bewerbung ebenfalls nicht fehlen.

Gut vorbereitet ins Bewerbungsgespräch

Für eine erfolgreiche Bewerbung für ein Freiwilliges Soziales Jahr ist es wichtig, dass du authentisch und motiviert wirkst. Soziale Kompetenzen sind meist wichtiger als formale Qualifikationen – wer die „richtige“ Persönlichkeit hat, wird die FSJ-Stelle gut ausfüllen. Zu den wünschenswerten Eigenschaften gehören etwa Eigeninitiative, Belastbarkeit, Engagement und Teamfähigkeit.

Passe deine Bewerbung unbedingt individuell an jede Einsatzstelle an. Besonders das Motivationsschreiben sollte sich so lesen, als sei es explizit für die Einrichtung geschrieben worden.

Wenn deine Bewerbungsunterlagen die Verantwortlichen überzeugen, darfst du dich auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen. Darauf solltest du dich sorgfältig vorbereiten. Befasse dich im Detail mit der Einrichtung und dem Einsatzbereich und überlege dir, was du von deinen Gesprächspartnern wissen möchtest. Du solltest etwas über dich erzählen können: Die Bitte nach einer kurzen Selbstvorstellung zu Beginn des Gesprächs ist üblich. Wenn du dich im Vorfeld mit typischen Fragen befasst, kannst du dem Bewerbungsgespräch für das FSJ gelassener entgegensehen.

In manchen Fällen kann ein Assessment Center bei der Bewerbung für ein FSJ auf dich zukommen. Solche Auswahlverfahren sind jedoch die Ausnahme bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr. Mitunter gibt es die Möglichkeit, einen Probetag zu machen. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Verantwortlichen dich besser beurteilen können. Auch du kannst eine fundiertere Entscheidung darüber treffen, ob sich die FSJ-Stelle wirklich für dich eignet.

Ist ein Freiwilliges Soziales Jahr nützlich für den späteren Berufsweg?

Ein FSJ zu machen, kann sich auch für die Karriere lohnen. Es kann zum Beispiel bei der Berufswahl helfen. In einem Freiwilligen Sozialen Jahr sammeln junge Menschen erste Berufserfahrungen. Das hilft ihnen dabei, besser abzuschätzen, welche berufliche Richtung zu ihnen passt. Zugleich kann ein FSJ den Übergang in ein Studium oder eine Ausbildung erleichtern. Ein Freiwilliges Soziales Jahr kann bei der Studienplatzvergabe angerechnet werden, was besonders bei zulassungsbeschränkten Studiengängen vorteilhaft ist.

Bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz kann ein FSJ ein Pluspunkt sein. Es steht für das Engagement der Bewerber und kann die Ernsthaftigkeit ihrer Entscheidung für einen Beruf unterstreichen – vor allem, wenn sie im selben Bereich ihr Freiwilliges Soziales Jahr geleistet haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Bewerber die Ausbildung abbricht, ist geringer.

Bei späteren Bewerbungen kann ein Freiwilliges Soziales Jahr ebenfalls Vorteile mit sich bringen. Viele Arbeitgeber schätzen die praktischen Erfahrungen, die damit einhergehen, aber auch die oft verbesserten Soft Skills. Junge Menschen bringen ansonsten meist in erster Linie theoretisches Wissen mit. In Kombination mit etwas Berufspraxis sind die Qualifikationen von Bewerbern wertvoller.

Ein FSJ kann noch in anderer Art und Weise nützlich für den beruflichen Werdegang sein, nämlich über die Personen, die man dabei kennenlernt. Junge Menschen können Kontakte knüpfen, über die sich eine Ausbildung oder ein erster Job ergeben kann. Auch längere Zeit nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr kann es noch möglich sein, die Beziehungen zu nutzen, um sich beruflich weiterzuentwickeln.

Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland: Welche Möglichkeiten gibt es?

Viele junge Menschen möchten gern für einige Zeit ins Ausland gehen. Da kann der Wunsch aufkommen, das FSJ im Ausland zu machen. Ist das möglich? Theoretisch besteht diese Option. Damit es sich auch offiziell um ein Freiwilliges Soziales Jahr handelt, muss der Träger in Deutschland ansässig sein.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, eine andere Art von Freiwilligendienst in einem anderen Land zu leisten. Es gibt zahlreiche Organisationen, die Freiwilligendienste weltweit vermitteln. Du kannst nach Irland gehen oder nach Namibia, ein Jahr in China verbringen oder als Freiwilliger nach Kanada reisen. Bei den möglichen Einsatzfeldern ist das Spektrum groß: Es reicht von Bildung über Gesundheit und Kultur bis zu Umwelt, Sozialem und Politik und Gesellschaft.

Ein Freiwilligendienst im Ausland ist oft wesentlich teurer als ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland. Kosten fallen unter anderem für die Anreise, Unterkunft und Verpflegung sowie Versicherungen an. Auch die Vermittlung von Organisationen selbst kostet Geld.

Bildnachweis: PeopleImages.com – Yuri A / Shutterstock

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